Heidenheim bejubelt ZaubertorUnion Berlin vermiest Fischer die emotionale Rückkehr noch

Der 1. FSV Mainz 05 steht am 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga kurz vor einem Befreiungsschlag, dann kippt die Partie bei Union Berlin. Keller-Konkurrent Heidenheim kann auch nicht gewinnen, darf aber ein Zaubertor bejubeln.
1.FC Union Berlin - 1. FSV Mainz 05 2:2 (0:1)
Der FSV Mainz 05 hat bei der emotionalen Berlin-Rückkehr von Trainer Urs Fischer den dringend benötigten Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga verspielt. Bei Fischers Ex-Klub Union Berlin kamen die Mainzer am Samstag trotz doppelter Führung nicht über ein 2:2 (1:0) hinaus und kassierten im Kampf um den Klassenerhalt vor allem einen Dämpfer für die Moral. Auch sportlich bleibt die Lage für das Schlusslicht bei nur neun Punkten aus 16 Spielen prekär.
Immerhin: Unter Fischer, der das Amt Anfang Dezember übernommen hatte, ist Mainz weiter ungeschlagen. Die Berliner liegen weiter im gesicherten Mittelfeld, verpassten aber die Chance, die Lücke zu den internationalen Plätzen deutlich zu verkleinern. Mainz war durch Nationalspieler Nadiem Amiri (30.) und den Ex-Unioner Benedict Hollerbach (69.) in Führung gegangen, Wooyeong Jeong (77.) und Marin Ljubicic (86.) trafen nach der Pause für Union.
Vor dem Anpfiff war Fischer im eisigen Berlin ein überaus warmer Empfang bereitet worden. Die Fans würdigen den Schweizer mit viel Applaus und einem "Fußballgott"-Schlachtruf. Auch Fischer hatte aus der persönlichen Bedeutung des Duells in Köpenick, wo er die Eisernen einst aus der 2. Liga in die Champions League geführt hatte, keinen Hehl gemacht. "Es ist logisch, dass einen das nach fünfeinhalb Jahren in Berlin berührt", hatte Fischer vorab gesagt. Der Fokus lag dennoch voll auf der schweren Retter-Mission in Mainz: "Ich muss das Nostalgische ein bisschen ausblenden."
Denn die brisante sportliche Lage verlangte von Mainz höchste Konzentration auf das Hier und Jetzt. Bei Minusgraden war Fischers Team zunächst defensiv gefordert. Die Berliner begannen druckvoll, hatten anfangs mehr Spielanteile und kamen so auch zur ersten Großchance. Nach einem Abwehrpatzer des Japaners Kaishu Sano kam Livan Burcu im Strafraum zum Abschluss, verzog dabei aber knapp (6.).
Der Schwung der Anfangsphase ging in der Folge auch aufgrund diverser Unterbrechungen verloren. Mainz spielte sich frei und verlagerte das Spiel weg vom eigenen Strafraum, machte aus seinen Kontermöglichkeiten oft jedoch zu wenig. Besser machte es Amiri: Nach starkem Zuspiel von Lee Jae-Sung schloss der Angreifer sehenswert ab. Fischer ballte an der Seitenlinie die Faust. Die Mainzer, die die anfängliche Passivität abgestellt hatten, verwalteten die Führung bis zur Pause.
Die defensive Stabilität behielt der FSV auch nach dem Seitenwechsel zunächst bei. Union spielte sich in der gegnerischen Hälfte fest, fand dabei aber kaum Lösungen gegen die dicht gestaffelte Abwehr der Mainzer, die ihrerseits auf Konter lauerten. Einen dieser Konter schloss der frühere Berliner Hollerbach erfolgreich ab. Für den Angreifer war es der erste Bundesliga-Treffer für Mainz. Seinen zweiten verhinderte kurz darauf der Pfosten (72.). Dann kam Union aber doch noch zum Ausgleich.
1.FC Heidenheim - 1. FC Köln 2:2 (2:1)
Der 1. FC Köln hat seine Negativserie auch im neuen Jahr fortgesetzt. Der Aufsteiger holte nach zweifachem Rückstand zwar noch ein 2:2 (1:2) beim abstiegsbedrohten 1. FC Heidenheim, wartet aber nun bereits seit sieben Ligaspielen auf einen Sieg.
Eric Martel (18.) und Said El Mala (48.) mit seinem vierten Joker-Tor der Saison trafen für die Kölner, die weiter fünf Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsränge haben. Marvin Pieringer (15.) mit einem Traumtor per Fallrückzieher und Julian Niehues (26.) hatten Heidenheim, das vor allem in der ersten Halbzeit eine deutlichere Führung liegen ließ, zweimal in Führung gebracht.
FC-Trainer Lukas Kwasniok hatte zum Jahresauftakt auf zwei Debütanten gesetzt. Neuzugang Jahmai Simpson-Pusey, erst vor wenigen Tagen von Manchester City zu den Kölnern gestoßen, startete in der Innenverteidigung, zudem kam der erst 18 Jahre alte Nachwuchsstürmer Fynn Schenten zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. El Mala saß zunächst nur auf der Bank.
"Es wird heiß hergehen bei kalten Bedingungen", betonte Kwasniok im dichten Heidenheimer Schneetreiben vor der Partie bei Sky. Er sollte recht behalten. Ragnar Ache (9.) und Jakub Kaminski (11.) vergaben bereits in den Anfangsminuten gute Chancen zur Kölner Führung, beide scheiterten am Heidenheimer Torwart Diant Ramaj.
Stattdessen zeigten sich die Gastgeber eiskalt. Pieringer nahm eine Flanke von der rechten Seite im Fallen und mit dem Rücken zum Tor volley und traf sehenswert über Kölns Keeper Marvin Schwäbe hinweg ins Tor. Lang währte die Heidenheimer Freude jedoch nicht: Martel sorgte mit dem Hinterkopf für den postwendenden Ausgleich.
Auch danach blieb jedoch kaum Zeit zum Durchatmen. Nach einer kurz ausgeführten Ecke kam Niehues zum Abschluss, den Simpson-Pusey letztlich unglücklich ins Tor stolperte. Heidenheim blieb in der Folge auf dem Gaspedal, Köln wirkte zunehmend überfordert. Sowohl Arijon Ibrahimovic (31.) als auch Sirlord Conteh (36.) verpassten jedoch den dritten Treffer.
Kwasniok reagierte und brachte zur zweiten Halbzeit El Mala in die Partie. Und der Joker war sofort zur Stelle: Ohne große Gegenwehr zog der 19-Jährige kurz nach Wiederanpfiff von der linken Seite nach innen, sein leicht abgefälschter Schuss von der Strafraumkante schlug direkt unter der Latte ein .Köln war nun wieder besser in der Partie. Ache (63., 90.+1) scheiterte jedoch wie schon in der ersten Halbzeit freistehend an Ramaj.
SC Freiburg - Hamburger SV 2:1 (0:0)
Der Hamburger SV ist auch ins neue Jahr als Auswärts-Punktelieferant gestartet. Mit zehn Mann verlor der Aufsteiger trotz Führung 1:2 (0:0) beim SC Freiburg und wartet seit fast acht Jahren auf einen Erstligasieg in der Fremde. Im ersten Spiel seit dem überraschenden Rückzug von Sportvorstand Stefan Kuntz sah Daniel Elfadli die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels (51.).
Vincenzo Grifo per Foulelfmeter (53.) und der eingewechselte Igor Matanovic (83.) trafen für die Freiburger, die seit elf Pflichtspielen zu Hause ungeschlagen sind. Der HSV bleibt in der laufenden Saison das einzige Team ohne Dreier auf gegnerischem Platz. Die Norddeutschen holten auswärts bisher nur zwei von 24 möglichen Punkten. Luka Vuskovic (49.) war für den HSV erfolgreich.
Die Hamburger, bei denen Sturm-Neuzugang Damion Downs (Leihgabe des FC Southampton) in der Startelf stand, hatten gleich in der Anfangsphase großes Glück. Der frei vor dem HSV-Tor aufgetauchte SC-Außenverteidiger Lukas Kübler traf nur die Latte (9.).
Die Gäste, bei denen Fabio Baldé, Anssi Suhonen, Rayan Philippe, Robert Glatzel und Yussuf Poulsen fehlten, kamen nicht ins Spiel. Freiburg drängte die Hamburger fast durchgehend in die Defensive. In der 19. Minute vergab Lucas Höler die nächste gute Gelegenheit für den Sport-Club. Vier Minuten später scheiterte der Angreifer erneut am Hamburger Torhüter Daniel Heuer Fernandes.
Erst gegen Ende des ersten Durchgangs wurden die Hamburger besser, die Hanseaten profitierten dabei von Fehlern der Freiburger im Aufbauspiel. Der HSV kam zu ein paar Abschlüssen, richtig gefährlich wurde es für SC-Keeper Noah Atubolu aber nicht.
Das änderte sich gleich zu Beginn der zweiten Hälfte. Nach einer Ecke von Miro Muheim war Vuskovic mit dem Kopf zu Stelle. Schiedsrichter Timo Gerach (Landau) brauchte allerdings die Torlinientechnik, um den Treffer anzuerkennen. Freiburg antwortete umgehend. Nach dem Foul von Elfadli an Höler traf Grifo vom Punkt - obwohl Heuer Fernandes seine Hand am Ball hatte. Danach begann die Abwehrschlacht der Gäste in Unterzahl, der gebürtige Hamburger Matanovic brachte den SC dennoch in Führung.